Symptome

Zurück zum Zebrastreifen: Sie haben die Situation im Griff: Sie sind ruhig, stehen auf, beruhigen den Autofahrer. Wenn Sie dieser Zustand nach Hause begleitet hat, dann kann es sein, dass Sie sich hinsetzen, tief Luft holen und sich sagen: "Na, das ist ja noch mal gut gegangen". Sie schenken sich ein Bier oder einen Wein ein, legen die Beine hoch - und plötzlich fangen Sie an zu zittern: Sie kriegen einen Zitteranfall, das Herz fängt an zu rasen, sie bekommen Schweißausbrüche, Sie werden plötzlich ganz unruhig; und es kann sein, dass Sie plötzlich wieder mitten in der Situation sind, mitten drin und zwar schlimmer als auf dem Zebrastreifen selbst.

Intrusion oder Flashback, so wird der Zustand bezeichnet, macht die Verarbeitung traumatischer Erfahrungen so schwierig. Denn wenn etwas passiert, dass sich aufgrund des Überadrenalinzustandes einbrennt, richtig im Gehirn festsetzt, dann ist die Verarbeitung dieser Erfahrung nicht so einfach wie die Verarbeitung dieses Vortrags hier in dieser Sporthalle:

Wenn Sie sich schlafen legen, die Augen zumachen, dann steht Ihnen die Szene wieder vor Augen, Sie können nicht einschlafen, Sie träumen nachts davon und werden wach. Das Geschehen läuft ab, wie ein Video, unverarbeitet. Wenn sich diese Intrusion festsetzt, wenn sie nicht verarbeitet werden kann, dann kann das bis zum Zustand der Hypermnesie gehen, der nicht mehr loszuwerdenden Erinnerung. Das entspricht den Klagen von Menschen, die in Konzentrationslagern gewesen sind: dass sie diese Gedanken und Bilder nicht mehr aus dem Kopf bekommen. Hypermnesie heißt Über-Erinnerung , (Amnesie heißt, dass man kein Gedächtnis hat) und bedeutet, dass man zuviel erinnert.

Die Intrusionen sind nun also das Problem. Sie können abends Angst machen; sie trinken dann etwas mehr, gehen zum Hausarzt, der verschreibt Valium oder ein Schlafmittel oder sagt: "Machen Sie mal Urlaub." "Nein, nein," sagen Sie, " ich gehe besser gleich wieder zur Arbeit, da bin ich wenigstens abgelenkt." Dieser Zustand der Hypervigilanz und Emotionslosigkeit, das ist eine gesellschaftliche akzeptierte, heldenhafte Haltung.

Dann gibt es die Emotionsbestimmten ,die schreien und die Orientierung verlieren und die dann den Menschen mit Hypervigilanz brauchen, der die Übersicht behält. Weiterhin gibt es die Stuporösen, die depressiv sind und in der Ecke sitzen, die brauchen dann auch diesen Menschen, der abgeschaltet ist.

Intrusionen /Flashbacks können Sie gut sehen in dem Film "Mercury Puzzle" mit Bruce Willis. Er kommt abends nach einem anstrengenden Tag nach Hause, und dann kommt wieder die ganze Szene. Sie farblich verändert, ein bisschen schwarz-weiß-bunt, und sie läuft zeitlupenähnlich ab, langsam, gedehnt, zeitlich in einer anderen Welt, man hört seinen Herzschlag. Er ist in dieser Szene wieder drin. Währenddessen sitzt er auf dem Sofa und reibt sich die Hände, er hat einen Schweißausbruch und macht dann etwas, was viele Menschen tun, die unter einem solchen Symptom leiden: Er knallt sich den Kopf voll. Alkohol ist ein gutes Medikament gegen Flashbacks und Intrusionen.

Diese Intrusionen muss man irgendwie verarbeiten. Die normale Verarbeitung besteht darin, dass man sie erst mal verträumt . Leute, die traumazentriert arbeiten, glauben, dass das menschliche Gehirn, wenn es funktioniert und gesund ist und seine Arbeit machen kann, nachts im Traum Probleme erledigt und abarbeitet. Sie sehen im Traum so etwas wie eine Informations-Schnell-Kompostieranlage. Genau das aber fällt mit traumatischen Erfahrungen schwer. Die laufen wieder und wieder ab und sind schlecht zu verträumen - das ist das Problem.

Konstriktion

Innerseelisch schwanken Menschen nach einer traumatischen Erfahrung zwischen zwei Zuständen: Da ist einmal der Zustand der Intrusion und zum andern der Zustand der Konstriktion. Dazu gehört der Zustand des Abgeschaltetseins: Die Gefühle sind wie betäubt, man ist irgendwie in einem dumpfen Zustand, nichts erreicht einen mehr so recht, ob nun Herbst oder Sommer ist, es ist ziemlich egal, das Essen schmeckt immer gleich schlecht, über Witze kann man nicht so recht lachen, man ist so etwas in Watte. Es ist ein subdepressiver Zustand, es tut einem irgendwie körperlich auch alles weh. Es ist ein Zustand von Abgeschaltet - sein.

In diesem Pendeln zwischen Konstriktion, Intrusion, darüber reden, sich ablenken und davon träumen wird eine solche Erfahrung in einem Vierteljahr langsam verarbeitet. Dass eine solche Verarbeitung aber auch länger dauern kann, wissen wir, wenn wir uns klar machen, dass das Trauerjahr etwas Sinnvolles ist. Letztlich ist die Traumaverarbeitung nichts anderes als ein Trauerprozess, der ganz ähnlich abläuft mit intrusiven und mit depressiv-konstriktiven Zuständen, und er dauert bis zu einem Jahr.

Das also ist die normale Verarbeitung eines Monotraumas, eines Typ-I-Traumas, wobei schon diese Verarbeitung Schwierigkeiten bereiten kann.

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